Roxana ist melancholisch

Vor Ostern ist Roxana traurig, weil sie und ihre Familie nicht zu den Großeltern nach Rumänien fahren werden. „Ich hatte solche Sehnsucht nach ihnen und nach den Tulpen und den Rosen.“ Sie fahren nicht, denn sie haben kein Geld, weil ihr Mann über den Winter bei Firma unter Vertrag stand, die für Straßenreinigung, Schneeschaufeln und Salzstreuen zuständig ist. Seit Januar hat er sein Geld nicht mehr bekommen. Ich sage, sie sollen zum Anwalt gehen, wenn sie schon einen Vertrag haben.

Am nächsten Tag ist Roxana noch trauriger. Ihr Mann hat dem Chef mit dem Anwalt gedroht, aber der Chef, der eigentlich nur der Chefgeldausteiler ist, hat gelacht und gesagt, sie sollten ruhig vor Gericht gehen, alle Arbeiter hätten ihm schließlich ihre Rechnungen gegeben und er hätte auf jede seinen Stempel gedrückt: Barzahlung erfolgt. Die Kopien hätte er in seiner Mappe. Unterschrieben hätten auch alle, „diese Analfabeten!“. Er hätte also kein Problem mit dem Anwalt oder der Polizei.

Roxana sagt, sie hat noch 15 Euro, weil sie im Park selbstgemachtes, karamellisiertes Popcorn verkauft hat. Und sie hat Kopfschmerzen. Ihr Mann sieht mich an und fragt, was er tun kann, Roxana wäre so melancholisch, so hätte er sie noch nie gesehen. „Dabei geht es doch immer voran. Ich verkaufe das Auto und morgen fange ich bei einer Baustelle an, die Chefs dort sind Rumänen, gute Jungs, die zahlen bestimmt“.

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