Ich sehe was, was Du nicht siehst!

Eine sehr nette Frau von Aktion Sühnezeichen kommt zu Besuch in die Gruppe. Die Frauen sind gekommen, weil sie gerne Ausflüge mit der netten Frau machen würden, das Gespräch heute ist zwar interessant aber sie sind auch nervös und nicht ganz bei der Sache, weil sie ihre Kinder bei den Männern gelassen haben und die Suppe noch nicht fertig ist.

„Die Nazis“ übersetze ich “ waren damals…“, Claudia unterbricht mich: „…auf der Straße?“. „Nein, sie waren an der Macht“, sage ich und Claudia staunt, wieso die Deutschen die Nazis haben regieren lassen. Sie vermutet, dass die Nazizeit dann wohl damals war, „als mein Vater nicht die deutsche Grenze überqueren durfte.“ Als ich sage, dass das nach den Nazis war, versteht sie die Welt nicht ganz.

Dann zeigt die nette Frau ein Foto von einer Demonstration 1979, bei der Roma Schilder tragen, auf denen steht, dass alle Menschen gleich viel wert seien. Sie erklärt, dass die Nazis nicht fanden, dass das stimmt. Claudia fragt: „Und wieviel sind die Roma jetzt wert?“

Dann sehen sich die Frauen ein Foto an, auf dem eine Krankenschwester einer Romni eine Farbpalette an die Augen hält, mittels derer sie angeblich feststellt, dass die Dunkeläugige eine Romni ist. Die Rassentheorie leuchtet den Frauen ein, weil sie zu absurd ist, als dass sie Unsinn sein könnte. Felicia sieht ihrer Nachbarin Dana in die Augen: „Stimmt, die Roma haben dunkle Augen. Die Nazis hatten recht.“ „Und was ist mit Rebeca?“ frage ich, weil Rebeca blaue Augen hat. „Sie hat auch dunkle Augen“, sagt Felicia. Ich lache sie an und frage sie, was sie zu meinen Augen sagt. „Die sind grün“, sagt Felicia, obwohl ich dunkelbraune Augen habe.

Wir reden auch über die Lager und die Morde. Am Schluss sagt Ana, dass sie sich vor allem an das Foto erinnert, auf dem ein kleines Romamädchen mit ihren Mitschülerinnen steht, die später nicht mehr zur Schule gehen durfte, weil sie Romni war. Das kann Ana sich vorstellen, alles andere ist so abstrakt, dass es ihr nur einen vagen Schauer über den Rücken jagt und sie ein bisschen stolz macht, weil die Gadsche in diesem Zusammenhang so anders als sonst über die Roma sprechen. Und weil es überhaupt einmal um sie geht.

Am Schluss wünschen sich alle Frauen die Ausflüge. Sie wollen das Mahnmal sehen und auch die Lager. „Hauptsache mal raus“, sagt Ana. „Und es ist auch interessant“, sagt Vivi, die sich dann doch gewundert hat, dass das Mahnmal erst gebaut wurde, als sie schon in Deutschland wohnte.

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