Das Gespenst

Herr Moise wohnte mit seiner Familie in einer Wohnung in Berlin. Er hatte sogar einen Mietvertrag. Das hielt er für ein großes Glück. Mit dem Mietvertrag konnte er für seine 3 Kinder auch Kindergeld beantragen und weil er außerdem noch arbeitete, hatten sie genug Geld, um ein anständiges Leben zu führen. So sagte er und freute sich.

Nach ein paar Jahren bekam er von der Familienkasse einen Brief. Er konnte ihn nicht lesen, er sah nur eine große Summe und bekam einen Schreck. Am nächsten Tag fuhr er zu seiner Schwester, die schon ein bisschen Deutsch lesen konnte, und fragte sie, was in dem Brief stand. In dem Brief forderte die Familienkasse 10.000 Euro Kindergeld zurück, weil er sich seit einigen Jahren nicht mehr in Berlin aufgehalten habe. Herr Moise  wunderte sich, er hatte doch in Berlin gelebt, da war er sich ganz sicher. Träumte er?
Die Schwester fand heraus, dass sein Vermieter ihm vor ein paar Jahren bereits gekündigt hatte, ohne es ihm mitzuteilen. Warum, weiß keiner. Herr Moise hatte vor einem halben Jahr diese Wohnung sowieso verlassen und war in das Viertel seiner Schwester gezogen. Schon damals hatte er vom Vermieter keinen Brief mehr auf seine Kündigung erhalten.

Die Schwester und Herr Moise  gingen zu einer Beratungsstelle, um Raten bei der Familienkasse zu beantragen. „Wollen Sie denn nichts unternehmen?“, sagte die Beratungsstelle. „Nein“, sagten Herr Moise und seine Schwester. Sie hatten Angst, so hohe Schulden beim deutschen Staat zu haben, sie wollten kein Risiko eingehen, „wir wollen hier leben, also müssen wir reinen Tisch machen, nicht, dass die Polizei kommt“, sagten sie. Also zahlt Herr Moise 10.000 Euro in Raten ab, denn beweisen kann er nicht, dass er Deutschland gelebt hat. Er hat ohne Vertrag gearbeitet, das Geld auf die Hand bekommen,  nichts deutet darauf hin, dass es ihn überhaupt in den letzten Jahren in Deutschland gegeben hat. „Ich war ein Phantom“, sagt Herr Moise traurig, „ein Phantom, das Schulden gemacht hat, weil ich es noch nicht bis zum richtigen Menschen gebracht habe.“

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