Paparuda

Nachdem die Frauen im Deutschkurs lernen, wie man wenigstens grammatikalisch über die Zukunft reden kann, nachdem Georgiana erzählt hat, dass sie gerade für drei Euro die Stunde in einem Fünf-Sterne-Hotel arbeitet, weil eine angestellte Serbin ihr ihren Arbeitsplatz verkauft hat, finden wir auf einem Bild im Deutschbuch einen Schmertterling. Milena aus Bulgarien sagt, dass Schmetterling auf Bulgarisch Paparuda heißt. Simona aus Rumänien sagt, dass Schmetterling auf Romanes auch Paparuda heißt. Milena versteht nicht, was Romanes ist und Simona sagt: „Zigeuner“. Alle nicken und sehen sich an.
Dann sagt Georgiana aus Bukarest, dass Paparuda auf Rumänisch nicht Schmetterling heißt und dass eine Paparuda eine Frau ist, die sich in Lumpen gekleidet hat und einen Blumenkrone aufgesetzt hat und mit anderen Paparude-Frauen bei Dürre über die Felder zieht, damit der Regen kommt.
Simona erzählt, dass sie bei Dürre früher manchmal kleine Männchen aus Lehm geknetet haben, dass sie ihnen Kamillenblüten als Augen in den Kopf gesteckt haben und die Stengel der Blumen als Mund und Nase. Dann sind sie mit den Lehmmännlein durchs Dorf gezogen, als wäre jemand gestorben, denn die Männlein machte man auch für Tote, und auf dem Weg schütteten alle Frauen das Wasser, was sie von der Arbeit noch in den Eimern hatten, alle Reste, die sie fanden, auf die Straße. Als würde ein Toter vorbei getragen. Damit es anfing zu regnen.
Milena lacht. Sie strahlt. „Das macht man bei uns zu Hause auch so“, sagt sie und alle erinnern sich und sind froh.

Nur Nezrin aus dem Libanon sieht ein bisschen traurig aus und sagt, sie will jetzt weiter Grammatik lernen.

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